In Griechenland legen Tausende Bauern aus Protest gegen die Agrarpolitik das Land lahm. Traktoren blockieren Autobahnen, Häfen und Flughäfen. Ausgelöst wurden die Proteste aufgrund fehlender EU-Gelder.
Quelle: tkp.at, Thomas Oysmüller, 10. Dezember 2025
Beeindruckende Bilder aus Griechenland symbolisieren einmal mehr die Unzufriedenheit mit der Agrapolitik, die von Brüssel gesteuert und kontrolliert wird. Seit Ende November demonstrieren griechische Bauern gegen die hohen Porduktionskosten, zu niedrige Verkaufspreise und ungerecht verteilte EU-Subventionen.
Videos zeigen endlose Kolonnen an Landmaschinen, die Autobahnen aber auch Häfen und Flughäfen blockieren. Zudem haben die Bauern mit ihren Traktoren Grenzübergänge zu Nordmazedonien, Bulgarien und der Türkei blockiert, was zu stundenlangen Umleitungen führt. Am Flughafen Heraklion auf Kreta drangen Demonstranten auf das Rollfeld vor, was Flüge lahmlegte. Zusammenstöße mit der Polizei gab es in Heraklion und anderen Regionen, wo Tränengas eingesetzt wurde.
Insgesamt sollen bis zu 6.000 Traktoren aktiv an den Protest beteiligt sein, manche Beobachter sprechen sogar von bis zu 25.000, was vermutlich leicht übertrieben. Der Auslöser der Proteste ist ein Korruptionsskandal um EU-Subventionen, allerdings demonstrieren die Bauern auch gegen die hohen Energie- und Düngerkosten. Ein Schicksal das Bauern in der ganzen EU teilen. Zudem stehen sie durch die Öffnung des EU-Marktes für Bauern aus der Ukraine massiv unter Druck.
Premierminister Kyriakos Mitsotakis, de facto ein Statthalter für die EU-Kommission, musste bereits einlenken und gab ein Versprechen von 1,2 Milliarden Euro an Hilfen bis Ende Dezember ab. Die Bauern dürften ihm aber kaum glauben und wollen bis Weihnachten weiter protestieren.
Besonders bei den Bauern brodelt es keinesfalls nur in Griechenland. In Frankreich protestieren die Bauern etwa regelmäßig gegen den EU-Mercosur-Handelsvertrag mit Südamerika, der Billigimporte fürchtet, sowie gegen Importe aus Indien. Aktuell kommt zudem der Protest gegen die Zwangstötung von Vieh wegen angeblicher Gesundheitsrisiken hinzu. Im September und November 2025 blockierten Traktoren Straßen in Frankreich. Ein aktueller Fall in der Ariège, wo 208 Kühe getötet werden sollen, heizt die Stimmung an.
Zurück nach Griechenland und einige Stimmen aus dem Lager der protestierenden Bauern:
„Die Produktpreise sind so demütigend niedrig, dass die Produktionskosten höher sind als das Geld, das wir verdienen“, sagte Vaios Tsiakmakis, ein Tabak- und Baumwollanbauer, gegenüber AFP bei einer Protestkundgebung in der Nähe der Innenstadt von Karditsa.
Iordanis Ioannidis, ein Baumwollbauer und Sprecher der Demonstranten bei einem Traktorenprotest in der Nähe von Larissa, sagte, der Sektor habe den „Felsboden“ erreicht und die Bauern hätten kaum noch etwas zu verlieren.
„Die Regierung gibt uns Geld, das uns seit 2023 geschuldet wird.“. Es gibt keinen politischen Willen, dem Primärsektor zu helfen“, fügte er hinzu.
Ein anderer Landwirt an derselben Straßensperre, Evripides Katsaros, sagte, dass es bei den Forderungen des Sektors um „Überleben“ gehe, und wies darauf hin, dass seine Birnenernte 31.000 Euro (36.000 $) kostet, um sie jährlich zu produzieren, und ihm nur 27.000 Euro einbringt.
„Die Regierung hat uns nichts gegeben“, sagte Katsaros.
Am Montag durchbrachen Bauern auf der Insel Kreta die Polizeilinien und besetzten die Hauptflughäfen Iraklio und Chania, wodurch mehrere Flüge gestrichen oder verschoben werden mussten.
Ein weiterer Farmprotest auf der Insel Lesbos am Montag hinderte Passagiere daran, eine ausgehende Fähre zu verlassen.
Ausgelöst wurden die Proteste um einen Betrugsskandal bei EU-Agrarsubventionen. Die EU behauptet, dass einige Bauern fiktive Anträge gestellt hätten, was zu einem Defizit von rund 600 Millionen Euro geführt habe. Deshalb müssen viele griechische Bauern auf ihre Förderungen warten.
Belgien
Erneut sind es die Bauern, die mit ihrem Protest das System ins Schwitzen bringen. Vor allem in Frankreich und Brüssel gibt es massive Proteste gegen das EU-Mercosur-Handelsabkommen. Dieses würde zu Billigimporten aus Südamerika führen, die es den Bauern in Europa unmöglich machen würden, preislich mitzuhalten, und ihnen somit immensen wirtschaftlichen Schaden zufügen, so die Sorge der Landwirte.
Vor allem seit gestern eskalieren die Proteste. Straßensperren, brennende Reifen und stinkender Mist vor den Arbeitsplätzen der Politiker prägen das Bild. In Brüssel werfen die Bauern Kartoffeln auf EU-Gebäude. Die Polizei antwortet mit Tränengas und Wasserwerfern. Auf zahlreichen Videos ist zudem zu sehen, wie Polizisten mit Schlagstöcken auf Bauern einprügeln.
Insgesamt sollen fast 10.000 Bauern aus der ganzen EU, darunter rund 500 aus Deutschland, für die Proteste nach Brüssel gekommen sein. Und sie feiern bereits einen ersten Teilerfolg: Die EU hat die Unterzeichnung des Deals auf Januar 2026 verschoben.
- Kritik am Freihandelsabkommen mit Lateinamerika
- Polizei reagierte mit Tränengas & Wasserwerfern, Bauern konnten Stacheldrahtbarrieren verschieben, aber nicht durchbrechen.
- Die Mehrheit der Teilnehmer friedlich, organisiert von der Föderation junger EU-Bauern (FJA) & nationalen Verbänden.
- Ziel der FJA: 8.000 Traktoren & 50.000 Teilnehmer bis Ende des Tages!
- Straßen rund ums Euro-Quartier sind größtenteils gesperrt
- Bauern zeigen: Wenn Stimmen ignoriert werden, muss man sichtbar werden!
Frankreich
UK
Irland
In Irland wurde den Bauern mitgeteilt, dass sie 200.000 Kühe keulen müssen, um das „Klimaziel“ der Regierung zu erreichen.
Dies ist eine von vielen irrsinnigen Rechtsvorschriften, die sie technisch gesehen in den Bankrott treiben werden. Der Kampf der irischen Landwirte hat jetzt begonnen.





